Privatheit ist der Wert, selbst über Privates und Öffentliches entscheiden zu dürfen.

Im Austausch mit Partnern, Freunden, Arbeitgebern und Behörden entscheiden wir jeden Tag, was für uns privat ist und was wir öffentlich machen wollen. Um diese Entscheidungsfreiheit zu erlangen, hat unsere Gesellschaft lange gekämpft. Unser Grundgesetz und internationale Abkommen wie die Charta der Menschenrechte enthalten daher inzwischen verschiedene Rechte, die unsere Privatheit betreffen, wie das Recht auf Privatsphäre, auf vertrauliche Kommunikation oder auf Datenschutz. 

Ist Privatheit nicht „von gestern“?

„Privat sein“ ist lebenswichtig. Wer keinen Raum des Rückzugs hat und sich ständig in der  Öffentlichkeit bewegt, sich überwacht und kontrolliert  fühlt, wird  krank. Privatheit ist auch eine wesentliche Bedingung für  Demokratie. Wer sich nicht unbeobachtet seine Meinung bilden kann, ist nicht frei.

„Privatheit“ ist exakter als „Privatsphäre“, denn eine einfache Einteilung der „privaten Sphäre“ gibt es so nicht mehr!

In einer Gesellschaft, in der die Menschen über Smartphone, Soziale Netzwerke und „smarte“,  datenverarbeitende Gebrauchsgegenstände miteinander vernetzt sind, löst  sich die Trennung zwischen privaten und öffentlichen Räumen auf. Der  Begriff der „Privatsphäre“ wird genutzt, um zu beschreiben, dass man sich zurückzieht; in die Wohnung, die eigenen vier Wände. Der Begriff der Privatheit ist losgelöst von dieser räumlichen Komponente.

„Ich hab' nichts zu verbergen“ - Mach dir doch nichts vor!

Wenn du nur wenige Minuten darüber nachdenkst, kann diese Behauptung einer genauen Prüfung nicht standhalten. Wieso sonst schließen wir die Gardinen unseres Schlafzimmers? Wieso sonst reden wir ungerne über unsere Gehaltshöhe? Wieso sonst haben wir überhaupt Geheimnisse vor Arbeitgebern, Freunden  oder gar Ehepartnern?

Unsere persönlichen Informationen sind das Öl des 21. Jahrhunderts - und daran haben Wirtschaft und Staat Interesse.

Wir sind goldwert. Wirtschaftsunternehmen machen bereits viel Geld mit unseren privaten  Informationen und die Analyse- und Vorhersageprogramme werden jeden Tag  besser. Auch der Staat sammelt mehr und mehr unserer Kommunikations-, Bewegungs- und Gesundheitsdaten.  

Wissen ist Macht. Macht benötigt Kontrolle.

Warum sollten wir zulassen, dass Unternehmen mehr und mehr über uns wissen und immer besser darin werden, diese vielen Informationen zu perfekten Spiegelbildern von uns zu verknüpfen?  

Sollten wir es dem Staat erlauben, mehr und mehr von uns zu wissen, statt ihm ein gesundes Misstrauen entgegenzusetzen?

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